Fakten
Jahr:
2001

Auftraggeber:
Dienst Vastgoed Defensie, Ministerie van Defensie NL

Lage:
Marinekasernengelände im Zentrum von Amsterdam

Konzept:
k.A.

Umfang:
k.A.

Bausumme:
k.A.



Erster Preis in eingeladenem Architektenwettbewerb mit nachfolgendem Auftrag Nominierung Amsterdamer Architekturpreis 2009 (Gouden AAP2009)

MKAD

Konversionen, Leben & Arbeiten, Global, Wettbewerbe

Vorentwurf Bebauungsplan - Marinekazerne te Amsterdam


Seit Mitte des 17ten Jahrhunderts ist das Marineterrain an der Kattenburgstraat im Stadtplan zu identifizieren. Es ist ein Gebiet mit historischer Bedeutung und seit der Stadterweiterung von 1663 Bestandteil der Binnenstadt. Seit Anbeginn ist dieses Gelände ein Standort für Sicherheitskräfte. Der geplante weitere Ausbau des Geländes intensiviert und erweitert diese Nutzungsart. Die visuelle Präsenz des Terrains in der Stadt  beschränkt sich auf die historischen Aspekte wie das Schepvaarts-Museum). Die aktuellen Nutzungen kommunizieren weder ihre Präsenz noch  ihre Bedeutung.

Um das historisch bedeutsame  Terrain der Marine langfristig zu sichern ist es von Bedeutung, dass der Ort eine aktuelle Präsenz im Bewußtsein der Stadt erzeugt, der auch die aktuellen Nutzungen visuell kommuniziert und für die Nutzer der Stadt erinnerlich macht.

 

Mit Fertigstellung der Javabrug und dem Ausbau der Quartiere im Nordosten von A´dam gewinnt die  Kattenburgstraat an Bedeutung für den Weg von und in das Stadtzentrum. Der als Baugrundstück ausgewiesene Teil der Marine Kaserne liegt zwischen dem Zentrum und den neuen Quartieren. Es ist ein Ort am Weg. Die Züge im internationalen Wegenetze der Eisenbahnen passieren das Grundstück bei der Ein-Ausfahrt zum / vom Centralbahnhof. Der Ort wird i.d.R. aus der Bewegung wahrgenommen. An der Schnittstelle von Kattenburgstraat, Eisenbahn und Dijks-Gracht öffnet sich  das Grundstück dem Blick des “Reisenden”.

 

Die Position des Grundstücks eröffnet die Möglichkeit, ein im Stadtraum wahrnehmbares Zeichen zu setzen. Die noch vorhandenen historischen Gebäude sind als  Zeichen der Bedeutung des  Geländes im Stadtbild lesbar. Die seit den 60-er Jahren errichteten Gebäude sind in ihrer Typologie und Ausprägung nicht  geeignet die Bedeutung / Nutzung des Geländes zu kommunizieren. Es gibt das Bedürfnis nach Identität. Um sich intern seiner Bedeutung zu versichern, werden Objekte mit Symbolcharakter bemüht: ein Anker, eine Schiffsflak etc..

 

Um die Bedeutung des Ortes zu sichern und im Stadtkontext  einzuschreiben (Text und Kontext) muss eine geeignete Gebäudetypologie gefunden werden, der diese Bedeutung intern und auch in das Stadtbild kommuniziert. (Identität ). Diese Identität  kann nur aus dem Selbstverständnis der repräsentierten Organisationen in Übereinstimmung mit dem gesellschaftlichen Auftrag entwickelt werden.

 

Im Bereich des Baugrundstückes liegt ein markanter Richtungswechsel der Straßenführung. Der Ort des Richtungswechsels  markiert historisch die Begegnung zwischen den  konzentrisch angelegten Strukturen der Innenstadt und dem vorgelagerten Schutzdeich zur Ij, der als lineare Struktur den Abschluss des Hafens nach Norden darstellte.

 

Der Richtungswechsel der Kattenburgstraat ist im Zusammenhang der Bewegung parallel zur Grundstücksgrenze eine wichtige Raumerfahrung, die im Projekt eine Rolle spielen sollte. Der Straßenraum der Kattenburgstraat ist asymetrisch angelegt, die relativ homogene Wohnbebauung auf der einen Seite, das Kasernengelände auf der gegenüberliegenden Seite mit den sehr unterschiedlichen Qualitäten der Raumbildung. Der Straßenraum gliedert sich in drei Sequenzen:

- historische Bebauung mit dem  Museum als markantes Intro

- historische Mauer / Außenwand einer ehemaligen Randbebauung mit

- dahinterliegendem Lagergebäude mit eigener Identität

- Mauer mit Tor und einem Zaun mit unattraktiver Distanzfläche und ohne weitere Aussage als Gegenüber der Wohnbebauung

 

Der Straßenraum  im Bereich des Baugrundstücks verlangt nach einer angemessenen Antwort hinsichtlich der Abfolge von Museum, historischer Mauer und Lagergebäude auf der einen Seite und der gegenüberliegenden Wohnbebauung. Die städtebauliche Struktur des Marinegeländes folgt der Idee der aufgelockerten und durchgrünten Stadt. Die  Gebäude sind nicht raumbildend eingesetzt, sondern reduzieren sich auf Objekte. Die geplante Weiterentwicklung des Geländes und der Gebäudestrukturen sieht einen verstärkten Ausbau der Nord- und Ostgrenze des Marine-Areals vor.

 

Die beiden Entwicklungszonen bilden in ihrem Schnittpunkt an der NO-Ecke des Terrains  einen wichtigen Ort, der sowohl eine räumliche als auch eine architektonische  Antwort erfordert. Für die historische wie geplante Nutzung ist  es erforderlich, einen Sicherheitsbereich zu schaffen, der radikal  zwischen privilegierten und nicht privilegierten Personen trennt. Sicherheitsbereiche konstatieren sich über eine entsprechende Ausbildung von Grenzen. Die Art, wie diese Grenzen hergestellt werden, ist wesentlich abhängig von den verfügbaren Techniken der  bedrohenden Elemente. Es muss gefragt werden, ob durch Ausbildung von materiellen Blockaden wie einer Mauer das Schutzziel noch erreicht wird. Möglicherweise ist die Rolle der Mauer im Schutzkonzept nur noch untergeordnet. Ihre Bedeutung ist eher symbolisch. Die eigentlichen Bedrohungen erfolgt mit imateriellen Medien (Zugriff auf Daten), die andere Schutztechniken (Firewalls) verlangen.

 

Es muss überlegt werden, ob die Mauer im “nicht-historischen” Abschnitt erhalten bleiben soll. Möglicherweise lassen sich alternative Symbole der Abgrenzung und des Schutzes finden. Die Mittel eines faktischen Schutzes im Interesse der Sicherheitsbelange der Beteiligten Organisationen müssen gemeinsam erarbeitet werden.

 

“Organisation der Zusammenarbeit mit  den Nutzern und anderen am Projekt Beteiligten”. Die Einbeziehung von Nutzern und Genehmigungsbehörden in den Entwurfsprozess für ein Gebäude gehört zu den selbstverständlichen Aufgaben des Architekten. Nur ein auf intensiver Kommunikation beruhendes Team kann in der Auseinandersetzung ein Entwurfsziel erreichen, das sowohl stadträumlich als auch auf der Nutzerebene eine hohe Akzeptanz erfahren kann. In der Entwurfsphase sind regelmäßige Planungsbesprechungen in einem kompetenten Team unabdingbar.