Fakten
Jahr:
2009

Auftraggeber:
Dr. Wildenmann

Lage:
Unterkochem

Konzept:
Pflegecenter

Umfang:
4.500 qm

Bausumme:
ca. 5.6 Mio





Pflegecenter Kochertal

Leben & Arbeiten, Projektierungen, Konzepte & Beratung

Die Art wie das Gebäude auf dem Grundstück liegt, sollte sich an traditionellen Hof- oder Villenanlagen orientieren. Das heißt das Gebäude steht nicht direkt am Straßenrand, sondern in der Tiefe des Grundstücks. Es entsteht eher die „Villa im Park“ als die „Wohnzeile an der Straße“.

Hierdurch können mehrere Qualitäten umgesetzt werden:

- Das Gefühl von Großzügigkeit

- Eine Vorfahrt mit Wendemöglichkeiten

- Landschaftsgerechtes und –typisches Bauen

- Die Gebäudevolumen treten in den Hintergrund

- Orientierung sämtlicher Räume auf den stimulierenden Garten/ Landschaftsbezug.

- Die Gebäudelage kann frei gewählt und eine Besonnung sämtlicher individueller Wohnräume gesichert werden.

- Die Parkierungsanlagen erhalten den notwendigen Abstand zur Wohnnutzung.    

Der Qualität der Überschaubarkeit durch das „Familyconcept“ auf der Ebene der Organisation muss eine Entsprechung in der Wahl der richtigen Gebäudetypologie folgen. Die Ensemblebildung durch verschiedene Gebäude erscheint hier die richtige Antwort. Orientiert an klassischen Hofanlagen, komponiert aus einfachen und ortstypischen Gebäudeelementen, befriedigt sie so nicht nur die Notwendigkeit der Differenzierung, sondern erlaubt auch die Anknüpfungen an die regionale Bautradition. Eine Qualität, die der für seine Bodenständigkeit bekannten Bevölkerung sicher entgegen kommt. Die Übertragung archetypischer Orientierungs- und Nutzungselemente auf die Gebäudestruktur wird so ermöglicht.

Das Konzept der Verwendung von Strukturelementen aus dem Siedlungsbau, des „Marktplatzes“ und der „Straße“ kann so seine sinnesentsprechende Anwendung fi nden. Was für die Wohngruppe der gemeinsame Essraum ist, ist für die Gemeinschaft aller Bewohner die gemeinsame Halle. Wie sich die Einzelräume um die Diele der Wohngemeinschaft gruppieren, gruppieren sich die „Wohngruppenhäuser“ um die gemeinsame Erschließungseinheit. Eine Spiegelsymmetrie sollte vermieden werden, da sich hierin eine finale Ordnung ausdrückt, die das Unvermeidliche formalisiert. Wir finden, dass dies vor dem Hintergrund der in vielen Fällen letzen Wohnstation der Bewohner unangemessen ist.

Eine lockere und spielerische Gebäudeordnung ist der Nutzung viel angemessener und steht für eine menschliche Dimension. Das Konzept der kleinen Gemeinschaft in der Wohngruppe verlangt besondere Überlegungen zu der baulichen Organisation dieser Basiseinheit.

Die Struktur orientiert sich an dem Modell der Wohnung für Wohngemeinschaften und nicht an der Station eines Krankenhauses. Die Individualräume werden so ausgelegt, dass sie funktional sind, gleichermaßen aber auch eine individuelle Interpretation durch den Nutzer erfahren können. Die Integration eines behindertengerechten Hygienebereichs ist genauso selbstverständlich wie der barrierefreie Zugang zu einem Außenbereich, am Besten in Form einer geschützten Loggia.

Die Zimmer werden so orientiert, dass an jedem Tag im Jahr die Sonne mindestens 1 Stunde im Raum steht. Alle Räume partizipieren von der Stimulans des Landschafts- und Gartenbezugs. Von diesen Qualitäten darf kein Individualraum abgeschnitten sein.

Das Konzept der Ensemblebildung mit einfachen Gebäudevolumen erlaubt die Schaffung von „Häusern“. Diese Grundelemente können sehr einfache Volumen sein, die jedoch durch Differenzierung in Material und Farbgebung eine eigene Identität erhalten. Verschiedene Namen der Hauseinheiten können die Differenzierung unterstützen. Diese Differenzierung hilft der Orientierung der Bewohner und bildet die Basis für die Bildung eines Gemeinschaftsgefühls. Bei der Materialwahl und den Konstruktionsprinzipien werden physiologisch und baubiologisch einwandfreie Konzepte verfolgt.


Dateien:
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